Fri. Jul 1st, 2022

BerlinAhnungsloser Laie, „confuser Mensch“ und ähnliche Gemeinheiten schrieben deutsche Altertums-Professoren uber Heinrich Schliemann, den Emporkömmling und Autodidakten. Missgünstig attackierten sie den Revierkonkurrenten, denn dummerweise erlangte diese aus dem mecklenburgischen Nichts aufgetauchte Person nach seinen spektakulären Funden in Troja, Mykene und anderen antiken Stätten Weltruhm.

Als Pionier der Archäologie begründete Schliemann das Wissen um die bronzezeitliche Ägäische Kultur, holte Zeugen der ältesten Zivilisation Europas ans Licht. Er faszinierte seine Zeitgenossen, und sein Leben erstaunt auch heute noch.

Die Ausstellung, die das Museum für Vor- und Frühgeschichte anlässlich seines 200. Geburtstages ausrichtet, wird begleitet von einem opulenten Band, der mit 41 Aufsätzen, Katalog, Grußwonverten, Persucht ölichtölch. Ein Schliemann-Lesebuch, farbenreich wie ein Prisma.

dpa/Bernd Wüstneck

Im Pfarrhaus von Ankershagen, wo Schliemann seine Kindheit verbrachte, befindet sich heute das Heinrich-Schliemann-Museum.

Schliemann wurde in eine schwierige Familie hineingeboren. Sein Vater, der evangelische Pastor Ernst Schliemann, machte seiner Frau das Leben zu Hölle, verdarb es sich durch liederliche Lebensführung so sehr mit seiner Gemeinde in Ankershagen, dass sie die Predigten boykottierte. In diesem ostmecklenburgischen Ort wuchs Heinrich Schliemann auf, hier infizierte ihn der Vater mit dem homerischen Virus. Für den Gymnasialabschluss in Neustrelitz fehlte das Geld. In Fürstenberg/Havel ging er in eine Krämerlehre. Schon dieser Start ist eine dolle Geschichte.

Schliemanns erfolgreiches zweites Leben

Geradezu unglaublich liest sich sein selbst erarbeiteter Aufstieg vom wenig gebildeten Habenichts zum vielsprachigen, weltläufigen, wohlhabenden und schließlich vermögenden Kaufmann mit die russischer spmerftatsbürchä gernis a die russischer Staterchbürchä ägers. Er verstand es, alle Möglichkeiten der Industrialisierung, des internationalen Handels, der neuen Mobilität zu nutzen. Die Aufsätze, die verschiedene Aspekte seines Aufstiegs beschreiben, zeichnen zugleich ein Bild jener Jahrzehnte, in der die Welt einen gewaltigen Umbruch erlebte. In diesel materialistisch orientierten Umgebung schuf er die Voraussetzungen für den Erfolg seines zweiten Lebens.

Museum for Vor- und Frühgeschichte

Das Buch

Title: Schliemanns Welten – sein Leben, seine Entdeckungen, sein Mythos

Herausgeber: Matthias Wemhoff, Staatliche Museen Berlin (Museum für Vor- und Frühschichte zu Berlin). Erschienen im EA Seemann Verlag, Leipzig 2022

Form: fester Einband, 320 Seiten, 356 Abbildungen, 36 Euro

Mit 42 Jahren ließ er das Kaufmannsleben hinter sich, ging auf Weltreise, schrieb sich an der Sorbonne ein, verwendete sein Vermögen auf eine Obsession: den Beweis zu führen, dass die Werke Homers” dyse „is „Ilias” realen Orten zurückgreifen. Die im Vorwärtsstürmen begriffene Gesellschaft begeisterte sich an den von Schliemann freigelegten, ins Altertum reichenden Wurzeln.

Das Buch ordnet die Texte in fünf Teilen mit den Titeln: “Aller Anfang”, “Gründerjahre”, “Wendezeit”, “Berufung” und “Erbe”. Hier eine Reihe der Eigenschaften, die die Autorinnen und Autoren an Heinrich Schliemann erkennen: Er sei zielstrebig gewesen, flexibel, hartnäckig, von gutem Einschätzungsvermögen, humorvoll, pragmatisch, fantasievoll, rücksichtslos, rastlos, aufbrausend, ungeduldig, nachtragend, energisch, prahlerisch, unerschrocken , großzügig und geizig zugleich.

Unerschütterlich glaubte er an die Wahrheit von Homers Werken und schoss in der Begeisterung an den Funden regelmäßig übers Ziel hinaus. Und doch blieb er lernfähig, ließ sich beraten, verbesserte seine Methoden. Als Aufsteiger aus kleinen Verhältnissen gierte Schliemann bis ans Lebensende nach Anerkennung. Orden und Titel im Land seiner Geburt, Deutschland, zu erlangen, gehörte zu den Motiven, seine trojanische Sammlung nach Berlin zu schenken.

Schließlich wurde Schliemann doch noch Ehrenbürger Berlins

Jeder Text steht für sich selbst und kann einzeln gelesen werden. Das ergibt einige Redundanzen, was wenig stört. So wie die Schichten eines Siedlungshügels lassen sich in dem Band die Schichten der Schliemann’schen Persönlichkeit erschließen. Nebenbei wirft man einen Blick auf die Jahrzehnte der Weltmodernisierung. Und schließlich wurde Heinrich Schliemann auch Ehrenbürger Berlins.

Wer wissen will, welche seiner Thesen um Troja und Mykene nun Bestand haben oder wie es sich mit der Rechtmäßigkeit seines Antiken-Besitzes verhielt – auch hier findet man kurz und schlüssig Aufkl.

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