Fri. Jul 1st, 2022

Die Anhänger des BFC Dynamo sangen schon seit der Pause alles, was das Liedgut des Fußballfans hergibt: „Olé, Olé, deutscher Meister BFC“. Oder: „Erste Runde Bukarest, zweite Runde Rom, in Kopenhagen schellt das Telefon …, Europapokal“. Zehn Minuten vor dem Ende des 38. Regionalliga-Spieltages, bei dem die Fußballer aus Hohenschönhausen aus einem 0:1-Rückstand gegen die VSG Altglienicke einen 4:2(2:1)-Sieg herausgeschossen hatten, in weßen die Fans Shirts dann schon sprungbereit auf den Zäunen des Jahnstadions in der Mittagssonne.

Wie hatten sie diesen Moment herbeigesehnt: Regionalliga-Meister. Die Songs gingen weiter. Von ‘Oh, wie ist das schön’, bis ‘Hoch soll’n sie leben’. Der Schock des 0:1 durch Johannes Manske aus der 5. Minute war da längst verdaut. Denn noch vor der Pause war der BFC durch Tore von Darryl Geurts und Christian Beck in Führung gegangen.

Ein gutes Gefühl für die Relegationsspiele des BFC

Becks 23. Saisontreffer hatte ihn gleichzeitig zum Torschützenkönig der Regionalliga Nordost gemacht. Er winkte seiner Tochter auf der Tribüne fröhlich zu, als er zur Pause im Kabinengang verschwand. Da zur gleichen Zeit Jena in Fürstenwalde zurücklag, ahnte er, dass der Sonntag tatsächlich einer zum Feiern werden würde. Erst recht, nachdem Andor Bolyki und Alexander Siebeck auf 4:1 erhöht hatten und Tugay Uzan für die VSG nur noch verkürzte.

Kurz vor Abpfiff stellten die BFC-Fans noch per Sprechgesang klar: „Hier regiert der BFC.” Dann rannten sie über den Rasen, begeistert, fahnenschwenkend, grölend. Sie waren bereit für das “Uffta Täterä”. Publikumsliebling Matthias Steinborn bat einen Kumpel um einen Zug aus der Zigarette. „Um uns herum sind alle erleichtert. Wir wollten den Titel ja schon vor zwei Wochen feiern. Dafür haben wir das heute hier zum Heimspiel gemacht”, sagte er. „Vielen Fans ist das Herz nach dem 0:1 in die Hose gerutscht, aber wir haben dann gezeigt, was wir für eine Mannschaft sind. Und warum wir Erster geworden sind.” Trainer Christian Benbennek fand: „Dass wir heute den Titel klarmachen, stand ja außer Frage. Aber es war wichtig, dass wir das mit einem Sieg machen. Damit wir mit einem guten Gefühl in die Relegation gehen.”

Als Kapitän Andreas Pollasch den Pokal in die Höhe stemmte, stand die Werbung vom Tag zuvor noch auf Höhe der Mittellinie des Jahnstadions. Ein Aufsteller mit dem fetten Schriftzug 3. LIGA – die hatte der FC Viktoria 89 nach der 3:4-Niederlage gegen Meppen am Sonnabend nach einer Saison wieder verlassen. Und nun stellt sich die Frage, ob es im Jahnstadion kommende Saison dafür den BFC als Berliner Klub in der Dritten Liga geben wird.

Die Antwort werden nicht nur zwei Relegationsspiele – vermutlich gegen Oldenburg – geben, sondern auch etwas, das Norbert Uhlig schon vor dem Spiel in Rage gebracht hatte. Da stand der BFC-Präsident plaudernd am Stadiongeländer. Aufgeregt? “Nicht wegen des Spiels”, antwortete er. Wegen der 900.000 Euro, die der Deutsche Fußball-Bund bis 1. Juni als Bürgschaft in bar vom BFC Dynamo fordert – für den Aufstiegsfall? Uhlig nickte. Die Bürgschaft war ein Gesprächstema. Vor der Meisterpartie – und hinterher.

Die 900.000-Euro-Bürgschaft macht dem BFC zu schaffen

Bernd Schultz, der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, versprach, er werde sich mit dem zuständigen DFB-Vizepräsidenten unterhalten und nachfragen, wie sich diese Summe zusammensetze. 160,000 Euro sollen bis Sonntagmittag schon von Fans zusammengetragen worden sein. Ein Batzen Geld, ‘aber im Verhältnis zu dem, was wir zusammenkriegen müssen’? Uhlig zuckte die Schultern.

Und dann auch noch die Aussicht auf Drittligaspiele im Jahnstadion. In diesel Schüssel, die die Zeit überaus marode gemacht hat. Uhlig schaut vor der Partie über das Gelände, auf dem sich Basketballer und kickende Kinder tummelten. “Im Sportforum in Hohenschönhausen ist normalerweise zwei Stunden vor Spielbeginn und fünf Stunden danach richtig was los.” ​​Eine halbe Stunde vor Spielbeginn war es vergleichsweise leer im Jahnstadion.

Das änderte sich erst, als das Gros der 1796 Zuschauer Becks 2:1-Führung bejubeln konnte, als die Meisterfeier auf der Gegengerade mit dem Strapazieren der Stimmbänder begann. Unter ihnen waren viele, die fanden, die vom DFB geforderte Bürgschaft sei „eine Sauerei“ oder zumindest „nicht normal“. Jörn Zimmermann, ein Däne aus Kopenhagen, der seit 30 Jahren zu Spielen des BFC anreist, sagte: „Ich hoffe, ich Kann mit einer kleinen Spende etwas zu der Summe beitragen.”

Als das Team feiernd mit dem Pokal auf dem Dach des Kabinengangs saß, stand Präsident Uhlig auf der Haupttribüne. “Das macht Spaß”, sagte er. „Die Mannschaft wird noch in der Kabine feiern. Dann fahren wir ins Sportforum, in unser Zuhause.” An die Bürgschaft, sagte er, werde er erst ab Montag wieder denken.

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