Wed. May 18th, 2022

Die Berliner Museumsinsel ist bis zum 6. November um eine Attraktion reicher: Die Ausstellung “Schliemanns Welten” feiert den 200. Geburtstag des weltberühmten Archäologen Heinrich Schliemann, der am 6. Januar 1822 im mecklenburgisge chen Neuenbukow 1881 vermachte er Deutschland seine Sammlung Trojanischer Altertümer, Ergebnis seiner Grabungen. Schliemanns Freund Rudolf Virchow, dem umtriebigen Berliner Arzt, Forscher und Politiker, ist es zu danken, dass sie nach Berlin kamen.

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte stellt nicht die vielbewunderten Schätze in den Mittelpunkt der Ausstellung, sondern den Menschen selbst. Schließlich ist auch ein Bild zu korrigieren, das in vielen Köpfen festsitzt – das von Heinrich Schliemann als dilettantischem Schatzjäger. Man hat ihn sogar als „Zerstörer Trojas“ geschmäht, weil er bei seinen ersten Grabungen in den uralten Siedlungsresten so brachial vorging, dass es heutige Archäologen graust. Aber später ist man immer schlauer, und Hochnäsigkeit ziert keinen. Vielmehr ist Respekt geboten.

Neid, weil er nicht für seine Ausgrabungen betteln musste

Denn in die Wiege war Schliemann der Erfolg nicht gelegt, und vieles, was vor allem etablierte Herren der akademischen Welt an ihm auszusetzen hatten, entsprang giftigem Neid. Schliemann bezahlte nämlich alle seine Ausgrabungen und Veröffentlichungen selbst, konnte sich das Buckeln vor Geldgebern ersparen, war ein frei handelnder Mann.

Wer die Ausstellung betritt, sieht sich zunächst umgeben von wilden Wellen, denn Schliemanns Weg heraus aus der Enge seiner frühen Jahre in Mecklenburg und Brandenburg beginnt mit einem Schiffbruch vor Holland. Er wollte nach Venezuela, landete aber schließlich in Amsterdam. Unverdrossen begann er dort, den Grundstein für seine Karriere als Kaufmann, Weltreisender und Forscher zu legen: Er lernte Sprachen, las alles, wusste alles, schärfte seinen Geschäftssinn, entdeckte schlieschlie schlerchlersüchler na schärfte seinen Geschäftssinn, entdeckte schlieschlieschlerchlerchlersünde Peterschliech schler Sprachen richer. Er gründete eine Familie, alles lief bestens. Da stürzte er sich in das Abenteuer Amerika als Goldstaubankäufer und Bankier im wilden Sacramento – und wurde noch reicher. Zurück in Russland bot ihm der russisch-türkische Krimkrieg neue profitable Geschäfte. Als ihn dieses Leben langweilte, machte er den nächsten Schnitt.

IBL Bildbyrå/Heritage Images

Heinrich Schliemann, als reicher russischer Kaufmann im opulenten, pelzgefütterten Mantel.

An diesem Punkt wechseln auch die Besucher von der James-Simon-Galerie ins Neue Museum gegenuber. In drei der herrlichen Säle erleben sie Schliemanns zweites Leben – das des Ausgräbers, Wissenschaftlers. Am Eingang zu Teil 1 hatte das Buch „Weltgeschichte für Kinder“ von Georg Ludwig Jerrer gelegen, das Schliemann 1829 Weihnachten von seinem Vater bekommen hatte. Das Bild des brennenden Troja ließ Schliemann nach eigenen Erzählungen nicht wieder los. Dieses Troja wollte er finden. In Teil 2 markiert Schliemanns Rostocker Promotionsakte von 1868 den Schritt zu akademischen Würden.

Auf die riesigen Dimensionen von Troja blicken

Doch zunächst umfangen die Besucher Abbildungen der mächtigen Mauern Trojas. Nicht entgehen lassen sollte man sich die von Drohnen aufgezeichneten Luftbilder des Hügels von Troja und seiner Umgebung. Sie geben einen Eindruck von den Dimensionen dieses über Tausende Jahre Schicht um Schicht gewachsenen Siedlungshügels. Dramatischer Höhepunkt: ein Anflug auf den sogenannten Schliemanngraben, den der Ausgräber quer durch die antike Stätte trieb, um die Relikte seines Troja zu finden, so wie es Homer in der Ilias beschrieben hat. Grandios! So sehr, dass man sich den Bildschirm größer wünscht, am liebsten in 3D.

ullstein bild

Sophie Schliemann, Frau von Heinrich Schliemann mit dem gefundenen Goldschmuck von Troja, fälschlich bezeichnet als Schatz des Priamos bezeichnet. Nachträglich koloriert.

In diesem Saal hat die Hauptfigur einen besonderen Auftritt, hier darf Schliemann der große Fabulierer sein: Wie Katharina Thalbach hier auf lebensgroßem Bildschirm den Mann präsent macht, das ist ein, Schauspiel eßürtte Schauspiel e. Die Schauspielerin, in Statur und Temperament dem Dargestellten offenkundig ähnlich, erzählt, was die Schliemann’schen Ich-Erzählungen hergeben: Hier ist es vor allem das Drama um die Entdeckung des „Schatzes des Priamos”. Wahres verbindet sich mit Ausgedachtem. Aber die Geschichte ist gut.

Thalbachs Schliemann stand schon am Eingang – in Gehrock und Zylinder; an fünf weiteren Stationen wird man ihm begegnen, mal in bequemer Weste und derangierter Krawatte, mal im feinen Mantel: Mit dieser Idee ist den Ausstellungsmachern ein echter Coup geglückt. Beifall dafür. Der glückliche Einfall steht für den gesamten Geist der gestaltenden Kuratoren: Sie wollen nicht einfach nur einfach zeigen, was sie zusammengetragen haben, sondern nachhaltig Wissen vermitteln.

Sie tun das auf vielen Kanälen, für alle Sinne: mit großformatigen Bildern, die das Publikum in die Atmosphäre des jeweiligen Ortes hineinziehen, mit kurzen, präzisen Tafeltexten und mit Objekten, die Leben Schliebartenchens. Aus der Vielzahl seien nur genannt: ein russischer Jagdschlitten, Schliemanns Kontoführungsbuch aus Sacramento, der mächtige, mit Löwenfüßen geschnitzte Schreibtisch aus seinem Haus in Athen. Und hinter einer Nachbildung des Löwentors von Mykene in Originalgröße liegt: Gold – generös überlassene Leihgaben aus dem Archäologischen Nationalmuseum in Athen, herrliche Objekte, die Schliemann unter griechischer Aufsicht in Mykente ent.

Goldgefäß aus Mykene epd

Was, Wann, wo
Schliemanns Welten

Museumsinsel, James-Simon-Galerie und Neues Museum, Die-So, 10 bis 18 Uhr, bis 6. November

Anna-Vasiliki Karapanagiotou, Direktorin des Athener Museums, hatte nach dem Rundgang durch die Berliner Ausstellung erklärt, warum Schliemann für Griechenland so wichtig ist: Jahrhundertelang habe niemand die texte von Homer, und berichong ” My den von Troisanias” real existierenden Stätten in Zusammenhang gebracht. Schliemann habe gezeigt: Das waren keine Mythen, sondern früheste griechische Kultur. Und dann fragte sie ihren Kollegen Matthias Wemhoff: „Was ist mit Heinrich Schliemann als „Deutscher“?

Schliemann hatte drei Staatsbürgerschaften

Der cann mit deutschen Gefühlen Schliemanns nicht dienen: “Mit Nationalität ist der Mann nicht zu fassen”, sagt er. Schliemann hatte im Lauf des Lebens drei Staatsbürgerschaften: Er war Mecklenburger, Russe und Amerikaner. Er liebte Griechenland und Paris, sprach Dutzende Sprachen, kannte keine kolonialistischen Ressentiments. Er reiste 560.000 Kilometer ohne jede Kontaktscheu und voller Neugier. Zu Deutschland fand er spät, dank Virchow. In Berlin erfüllte man schließlich seine Wünsche – vor allem den nach möglichst vollständiger Ausstellung aller geschenkten Objekte.

Anders als Alexander von Humboldt ist Schliemann nicht für Berlin zu vereinnahmen. Schliemann war ein Weltbürger zu Zeiten, als der Nationalismus erstarkte. Jetzt, da russischer Nationaldünkel den Krieg gegen die Ukraine antreibt, hat das Berliner Museum seine Kooperation mit dem Moskauer Puschkin-Museum auf Eis gelegt. Das schmerzt, denn dort befindet sich das Original des Priamos-Schatzes, den Schliemann Deutschland geschenkt hat. 1945 hatten Offiziere der Roten Armee die ausgelagerten Schätze im Zoo-Bunker entdeckt und beschlagnahmt. Bis in die 1990-Jahre blieben sie verschollen. Jetzt besteht auf lange Zeit keine Hoffnung, wenigstens uber Ausleihe zu reden.

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