Fri. Jul 1st, 2022

Alles wie erwartet? Alles wie erwartet! Die Ukraine hat die 66. Ausgabe des Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen, mit einer deutlichen Mehrheit vor Großbritannien und Spanien. Und Deutschland ist Letzter geworden, wieder einmal. Die Ukrainer können stolz sein auf ihren Sieg mit 631 Punkten, die meisten kommen vom Publikumsvoting. Damit hat das Kalush Orchestra im Schnitt fast aus jedem der 40 teilnehmenden Länder die volle Punktzahl erhalten, auch von den Fernsehzuschauern aus Deutschland gab es zwölf Punkte. Europa zeigt sich also solidarisch mit dem Land im Krieg.

Dann doch politisch: Schockmoment am Ende des ukrainischen Vortrags

Einen Schockmoment gibt es am Ende des ukrainischen Finalvortrags. Frontmann Oleh Psiuk fordert die Millionen Zuschauer zur Hilfe auf für die umkämpfte Stadt Mariupol und das Asow-Stahlwerk, in dem noch immer ukrainische Kämpfer eingeschlossen sind. Das Publikum im Turiner Palo Olimpico applaudiert stehend, obwohl der Band zuvor jegliche politische Äußerung auf der Bühne verboten worden war. Für einen Augenblick droht jetzt die Disqualifizierung. Der ESC-Veranstalter, die Europäische Rundfunkunion (EBU), hatte im Vorfeld aber schon grünes Licht signalisiert: „Wir verstehen die starken Gefühle, wenn es dieser Tage um die geht Ukraine, und betrachten die Änußerützlerungen Kürgen ukrainischen Volkes eher als humanitäre Geste und weniger politisch.”

Kaum ist der Sieg verkündet, gratuliert der ukrainische Präsident Selenskyj umgehend aus Kiew: „Unser Mut beeindruckt die Welt, unsere Musik erobert Europa. Zum dritten Mal in unserer Geschichte”, schreibt er im Nachrichtenkanal Telegram. „Wir werden unser Bestes tun, um eines Tages die Teilnehmer und Gäste vom ESC im ukrainischen Mariupol zu beherbergen. Frei, friedlich und neu aufgebaut”, fügt er hinzu.

Imago

Der ESC-Gewinner aus der Ukraine, das Kalush Orchestra, feiert seinen Sieg auf der Bühne.

Auch der oberste Vertreter der EBU am ESC-Austragungsort Turin, der Schwede Martin Österdahl, meldet sich gleich zu Wort: „Wir gratulieren der Ukraine und dem Kalush Orchestra zum Sieg! Wir fangen jetzt mit dem ukrainischen Fernsehsender UA:PBC die Planungen für 2023 an.” Natürlich sei die besondere Situation in der Ukraine eine einzigartige Herasforderung, aber man gehe davon aus, sie mit me allenlichentverantw Schon haben sich Länder wie Schweden gemeldet und bereit erklärt, den nächsten ESC auszurichten, falls die Ukraine dazu nicht in der Lage sein sollte.

Kalush Orchestra: In zwei Tagen müssen wir zurück in der Ukraine sein

Die abschließende Pressekonferenz der Sieger spät in der Nacht unterscheidet sich deutlich von vergleichbaren Terminen der vergangenen Jahre. Während früher die Freude und der Jubel über den Sieger überwog, herrscht diesmal verhaltene Ruhe. Die Mitglieder des Kalush Orchestra lächeln kaum und konzentrieren sich auf die Fragen der Journalisten. Es ist vor allem Oleh Psiuk, der spricht: „Der Sieg ist wichtig für die Ukraine, besonders in diesem Jahr.” Auf die Frage, ob er zurück an die Kriegsfront müsse, erklärt Psiuk: „In zwei Tagen müssen Ukraine wüssen sein.” Die temporäre Genehmigung, in Turin zu sein, ende für ihn und seine Kollegen. „Wie jeder Ukrainer bin ich bereit, bis zum Ende zu kämpfen.”

Betretenes Schweigen hingegen herrscht auf deutscher Seite. Der Kommentator der TV-Übertragung, Peter Urban, äußert sich mit keiner Silbe, als die Punktevergabe der 40 Länderjurys verlesen werden: Null Punkte für Deutschland. Wie in den sechs Jahren zuvor, 2018 ausgenommen. Lediglich vom europäischen Publikum gibt es magere sechs Punkte für Malik Harris, je zwei kommen von den Nachbarn aus Österreich und der Schweiz und noch einmal zwei Punkte aus Estland.

Dabei hat Urban noch nach dem Liedvortrag von Harris hoffnungsvoll verkündet: “Ich bleibe dabei: Wir haben in diesem Jahr einen Top-Kandidaten!” loben, selbst dann, wenn alle anderen schon abgewunken haben. Aber der in der ARD für den ESC verantwortliche Sender NDR hält stur an Urban fest. Sture Arroganz, so lässt sich überhaupt das Handeln des NDR umschreiben, wenn es um den ESC geht. Aus den Niederlagen wurde nichts gelernt, gar nichts. Da wird jedes Jahr lediglich ein bisschen am Auswahlverfahren geschraubt, kaum transparent, dafür erfolglos.

Deutschlands ESC-Beiträge: So belanglos, dass sie niemanden stören

In diesem Jahr waren sechs Solisten und Gruppen in den Vorentscheid gekommen, nominiert von wem auch immer. Die letzten Entscheider, vor dem Publikumsvoting, waren Vertreter von ARD-Hörfunkstationen. Und denen war nur eine Aufgabe mitgegeben worden: Findet einen radiotauglichen Titel! Radiotauglich, das ist das Zauberwort, und meint, einen Song zu finden für die Dauerschleife, der so belanglos ist, dass er niemanden stört. Beim internationalen ESC haben auch in diesem Jahr wieder Länder wie Georgien, Serbien, Frankreich oder Italien bewiesen, dass vor allem Phantasie und künstlerische Kreativität durchaus dazugehören, um einen Beitrag ma li zuben derässs hat, Zustimmung oder Ablehnung zu zeigen. Auch der Blick auf die großen Sieger der letzten Jahre spricht diese Sprache, keinem „radiotauglichen” Einheitsbrei will man die ESC-Krone überreichen, das Besondere ist gefragt, künstlerisches Talent, einelst halent Kälernün halen Performance, das Besondere ist gefragt, wünstlerisches Talent, einelst len ​​halen Kälern Performance, die ständige Wiederholung im Formaradio.

Jedes Jahr wird die Kritik am NDR so oder ähnlich formaliert, und jedes Jahr wird die Forderung lauter, die ARD möge endlich einen anderen Sender mit der ESC-Aufgabe betrauen. Doch in Hamburg bleibt man auf Null-Punkte-Kurs, als wolle man bloß nicht gewinnen. Auch der Umgang mit den Sängerinnen und Sängern ist den Verantwortlichen anzulasten. Kaum kehren sie gescheitert vom Wettbewerb zurück, verschwinden sie in der Versenkung. Wer erinnert sich noch an die Namen der deutschen Teilnehmenden der letzten Jahre?

Zum Glück hat der diesjährige Vertreter Deutschlands, der bayerische Musiker Malik Harris, schon vor dem Festival eine gewisse Gelassenheit gezeigt. “Für mich ist der ESC überhaupt nicht so ein Wettbewerb”, sagte er. Auf der Bühne zu stehen und zu spielen, darum gehe es ihm, nicht um die Platzierung. Und nach dem Desaster sagt er in der ARD: “Aber es war trotzdem ein schöner Abend, ein total abgefahrener Abend.”

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By admin

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