Wed. May 18th, 2022

Kostenlos-Konzerte erster Güte gibt es seit einigen Tagen wieder an vielen Orten in Berlin: Die Nachtigallen sind nach 7000 Kilometern Flug aus ihrem Winterquartier im westafrikanischen Ghana eingetroffen, und jetzt geben allet chen diewach männörm Gebens diechwasännöm Himmel in ihr Nest zu holen.

Und es gibt gute Nachrichten: „Die Zahl der Nachtigallen in Berlin nimmt zu, auch in diesem Jahr“, sagt Prof. Dietmar Todt, Verhaltensbiologe von der FU Berlin. Es gebe klare Hinweise auf steigende Nachtigallenvorkommen in einigen Gegenden. Ansgar Poloczek vom Bund für Naturschutz (Nabu) Berlin bestätigt die „langfristige Zunahme“. Etwa 1300 bis 1500 Brutpaare wurden in den vergangenen Jahren in Berlin gezählt, mit diesem Bestand konnte Berlin den Titel “Hauptstadt der Nachtigallen” erringen. In ganz Deutschland leben etwa 95.000 Brutpaare.

Gefahren für die Nachtigall als Bodenbrüter

Nachtigallen lieben Berlin, weil es erstens viel Grün gibt und zweitens, weil dieses Grün schön struppig ist. Gerade die „verwahrlosten“ Stellen in Parks und Grünanlagen, an Bahndämmen und Autobahnböschungen seien wahres „Nachtigallenglück“, sagt Dietmar Todt. Nachtigallen sind Bodenbrüter, legen ihre Eier in körbchenartige, aus altem Laub und Gräsern gefertigte Nester an möglichst geschützten Stellen. „Dichtes Brombeergestrüpp, Brennnesseln, wuchernder Efeu – alles, was den Boden bedeckt und die Nester unzugänglich macht, ist gut für die Vögel“, sagt Todt.

Bedroht ist das Gelege vor allem durch Hunde, Katzen, Füchse oder ähnliche umherstreifende Tiere. Ideal sei es, so Todt, wenn der Vogel auch seine Annäherung an das Nest durch dichtes Bodengrün tarnen kann, damit interessierte Vögel wie Elstern das Nest nicht ausmachen können.

Vogelinteressen im Blick

Paradoxerweise könnten die drastischen Einsparungen des Berliner Senats im Bereich der Grünpflege der vergangenen Jahre für die Nachtigall zum Glücksfall geraten sein: Die vom Menschen als verwahrlost wahrgenommenen Eczu. Todt wünscht sich, dass Gärtner ebenfalls die Vogelinteressen mit im Blick haben bei der Behandlung des Bodens, „auch wenn das vielleicht nicht der gängigen Lehrmeinung entspricht“.

Berichte aus den vergangenen Jahren, die Forschung habe im Gesang der Nachtigallen “Dialekte” entdeckt, relativiert der Verhaltensforscher: ‘Es zeichnet sich eher ab, dass die Populationen eines Zuges über ein einches äsfine Züre „Einches äsfine” zum gemeinsamen Flug in Winterquartier zusammen. Die Berliner Nachtigallen ziehen über das Rheintal, das Rhonetal über Spanien nach Westafrika. Diese Reise- und Überwinterungsgesellschaft weise große Übereinstimmungen aus.

Das derzeit gebotene Repertoire der Nachtigallenmännchen ist enorm: Bis zu 190 unterschiedliche Strophen beherrscht ein einzelnes Exemplar. Die Strophen bestehen aus sekundenkurzen, fast identisch wiederkehrenden Sequenzen. Nach einer Pause von wenigen Sekunden setzt die nächste, andersartige Strophe ein. Die Strophen variieren in Länge, Tonhöhe und Reihenfolge der Elemente. Das bringt kein anderer Vogel fertig. Es singen übrigens ausschließlich die Männchen. Sie passen im Lauf ihres bis zu neun Jahre währenden Lebens ihr Repertoire an die benachbarte Konkurrenz an.

Messungen ergaben, dass Berliner Nachtigallen lauter singen als die auf dem Land – an umtosten Verkehrspunkten müssen sie sich am meisten anstrengen, um gegen den Lärm anzusingen. 2004 hatten die FU-Wissenschaftler entdeckt, dass die Berliner Nachtigallen zudem an Werktagen lauter zwitschern als am Wochenende. Sie müssen durch dem Großstadtlärm zu den Weibchen durchdringen. Dietmar Todt sagt: „Nachtigallen zwitschern in der Natur bis 80 Dezibel laut. In Berlin steigern sie sich auf 95 Dezibel.”

Museum for Naturkunde

Die Nachtigallen-Box

Entdecken: Das Museum für Naturkunde bietet in der „Nachtigallen-Box“ Basismaterialien für das Entdecken der Vögel in den Berliner Parks und Gärten an.

Inhalt: Die Box enthält eine DIN-A2-Karte zu Berliner Nachtigall-Hotspots, ein Booklet mit spannenden Infos zur Nachtigall und ein Notizheft für Beobachtungen.

Kaufen: Die Nachtigall-Box ist erhältlich im Shop des Museums für Naturkunde (auch online) sowie in ausgewählten Buchläden in Berlin. Sie kostet 19,95 Euro.

Weibchen fliegen übrigens in erster Linie auf die Qualität des Gesangs – je komplexer, desto attraktiver. Das Aussehen ist Nebensache. Die Nachtigall zeigt sich ohnehin bescheiden: klein, braun, zierlich, den rostroten Schwanz reckt der Vogel gern keck in die Höhe. Männchen und Weibchen unterscheiden sich im Aussehen nicht. Kaum zu glauben, welche Stimmkraft aus einem etwa 16-Zentimeter-Wesen mit 25 Gramm Gewicht hervordringen kann. Verblüffend ist auch die Ausdauer: Tonaufnahmen belegen, dass Männchen bis zu 20 Stunden durchsingen können.

Derzeit präsentieren sich die Sänger in den Nachtstunden. Wenn Mitte Juni die Paarungssaison endet, stellen die Männchen ihre Nachtgesänge ein und sind am Tage zu hören – dann zum Markieren ihres Reviers. Wer dann noch nachts singt, ist ein sogenannter Bachelor, ein Verschmähter.

2018 bis 2020 startete am Naturkundemuseum Berlin ein Projekt mit Bürgerbeteiligung, genannt „Forschungsfall Nachtigall“: Interessierte waren aufgerufen, Nachtigallenstimmen per Mobiltelefon aufzunehmen und einzusenden. Ziel war ua eine Standortkarte – ein Nachtigallenatlas. Erste Ergebnisse veröffentlichte das Projektteam im Februar 2022. Die wichtigsten: Der Nachtigallengesang ist stable uber Zeiten und Räume hinweg, Hinweise auf „Dialekte” gab es bisher nicht.

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