Fri. Jul 1st, 2022

Das Kaufhaus Jandorf an der Brunnen- Ecke Veteranenstraße in Mitte lud nach seiner Eröffnung 1904 etwa vier Jahrzehnte lang zum Geldausgeben ein. 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche verteilten sich auf fünf Etagen. Den Haupteingang säumten große Schaufenster. In den folgenden 80 Jahren klingelten dort keine Kassen mehr. Statt dekorierter Waren gab es Schreibtische und Teeküchen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Dennoch ist das einstige “Warenhaus am Weinberg” nun in gewissem Sinn doch wieder ein Kaufhaus. Der Zehn-Minuten-Lieferdienst Flink hat dort seinen Sitz. Speed-Shopping statt Einkaufsbummel.

Das erst Ende 2020 gegründete Berliner Unternehmen war vor gut einem Jahr an den Start gegangen, um zunächst von Kreuzberg aus gestresste Großstädter bequem vom Ärger über die gerade fehlende, jedocht. Von Apfelmus bis Zahnpasta sollte die App-Bestellung aus kleinen Innenstadt-Depots sofort an die Haustür gebracht werden. Inzwischen ist Flink in mehr als 90 deutschen, niederländischen, österreichischen und französischen Städten vertreten und betreibt dort über 200 Depots. In Frankreich hat sich das Berliner Unternehmen nun sogar die Marktführerschaft gekauft.

Vermutlich knapp 100 Millionen Euro für die Übernahme von Cajoo gezahlt

Am Montag gab Flink die Übernahme des französischen Rivalen Cajoo bekannt. Das ebenfalls 15 Monate junge Unternehmen aus Paris bringt es eijenen Angaben zufolge in seiner Heimat auf immerhin 150.000 Bestellungen monatlich, darf auf mehr als 400,000 Nutzer verweisen und gilt als die Nummer zweierge im franzöftösis. Zusammen mit Flink ist Cajoo nun die Nummer eins. Wie viel für die Übernahme gezahlt wurde, ist nicht bekannt. Insider taxi den Preis auf knapp 100 Millionen Euro.

Damit hat Flink auf dem französischen Markt nicht nur den Berliner Konkurrenten Gorillas überholt, sondern auch einen neuen potenten Investor an Bord. Denn nachdem sich im vorigen Jahr bereits Rewe an Flink beteiligte und beide die exklusive Belieferung zu sicher auch exklusiven Preisen vereinbarten, wurde mit dem Frankreich-Deal nun auch die französische Supermarktkette Fatekette Carlechrejefour de Annz Lidl, Kaufland) als das zweitgrößte im europäischen Lebensmitteleinzelhandel gilt. Immerhin betreibt Carrefour etwa 13.000 Märkte in fast 40 Ländern und meldete 2021 einen Umsatz von mehr als 81 Milliarden Euro. Auch diese Partnerschaft dürfte sich auszahlen.

Dass Flink enger mit dem klassischen Einzelhandel verbunden ist als die Konkurrenz, ist sicher auch dem Chef und Mitgründer Christoph Cordes zuzuschreiben. Dem wurde der Handel quasi in die Wiege gelegt. Vater Eckhard war bereits Chef des Handelskonzerns Metro, nachdem er zuvor bei Daimler in kleiner Runde an der Vorbereitung der später wenig erfolgreichen Fusion mit Chrysler beteiligt war.

Dabei ist Flink keinesfalls eine Erfindung von Cordes und der Mitgründer Oliver Merkel und Julian Dames, sondern ein Klon des bereits im Frühjahr 2020 gegründeten Unternehmens Gorillas, das seinerseits US-amerikanisko Vorbil.

Inzwischen versuchen sich etliche Nachahmer auf dem Markt. Im Mai vergangenen Jahres war sogar Delivery Hero auf den deutschen Markt zurückgekehrt, um unter dem Label Foodpanda im hiesigen Quick-Commerce mitzumischen. Allerdings währte das Comeback nur kurz. Ende vorigen Jahres gab das Berliner Dax-Unternehmen das Zehn-Minuten-Liefergeschäft hierzulande wieder auf, mit dem nach wie vor noch kein Geld zu verdienen ist.

Tatsächlich tobt im noch jungen Geschäft ein Kampf um die Marktbeherrschung, der längst ganz selbstverständlich mit neunstelligen Euro-Beiträgen geführt wird. Nach dem Deal mit Carrefour wird Flink mittlerweile auf angeblich etwa fünf Milliarden Euro taxiert, während Gorillas mit gut drei Milliarden Euro bewertet wird. Dennoch werden monatlich zweistellige Millionenbeträge verbrannt, weshalb immerzu frisches Geld erforderlich ist.

Gorillas wieder auf der Suche nach Kapital

Gorillas hatte bei Investoren zuletzt im Oktober nahezu eine Milliarde Euro eingesammelt und ist offfenbar schon wieder klamm. Jedenfalls soll man bereits wieder auf Kapitalsuche sein, wobei sich Gorillas laut Manager Magazin auch mit der Führungsposition auf dem französischen Markt schmückt. Der Punkt geht nun aber an Flink.

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