Wed. May 18th, 2022

Pro: Es gibt Spielregeln, an die man sich halten muss

Berlins Parks zählen zu den letzten Bereichen der Stadt, die nicht kommerziell genutzt werden, die allen kostenlos zur Verfügung stehen. Wer diesen öffentlichen Raum für ein Geschäftsmodell beansprucht, soll dafür eine Gebühr entrichten. Als Beitrag zur Instandhaltung, für die ansonsten die Allgemeinheit aufkommt. Als Beitrag auch dazu, dass die Grünanlagen nicht noch voller werden.

Das Argument, gewerblich angebotener Sport leiste einen wertvollen Beitrag für eine Gesellschaft, der es an körperlicher Betätigung mangelt, greift dabei zu kurz. Zwar gelten in Berlin zwölf Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer als fettleibig, auch hat die Adipositas unter Kindern während der Pandemie schätzungsweise um rund ein Drittel zugenommen. Doch gibt es für diese Klientel schon seit langem ein Angebot – und das kostet nichts.

In mehr als 100 Grünanlagen, verteilt über alle zwölf Bezirke von Mai bis Oktober, bringen qualifiziert Trainer Menschen in Bewegung, wöchentlich gut 270 Veranstaltungen stehen auf dem Programm. “Sport im Park” heißt das Konzept. Es funktioniert ohne Zwang, Mitglied in einem Verein zu werden, ohne monatlichen Beitrag. Es setzt die Hürde niedrig an, um möglichst viele Sofa-Hocker auf Trab zu bringen.

Konkurrenz belebt das Geschäft. Das gilt für den Sport in besonderer Weise. Dort gibt es Spielregeln, an die sich jeder zu halten hat, damit der Wettbewerb fair verläuft. Zu den Spielregeln für Bewegungsangebote im öffentlichen Raum sollte eine Gebühr für gewerbliche Angebote gehören. Jedoch auch, dass diese Gebühr nicht zu hoch ist. Damit alle eine faire Chance haben. Christian Schwager


Contra: Typisch Berliner Bürokratie

Die Pandemie hat die Lage sicherlich nicht verbessert: Homeoffice und Lockdown haben aus den ohnehin im Schnitt nicht sehr bewegungsfreudigen Deutschen ein Volk von Dicken gemacht. Nicht, dass die Deutschen zuvor besonders schlank gewesen wären. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Europa ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zu dick. 59 Prozent der Erwachsenen in der europäischen WHO-Region lebten demnach mit Übergewicht oder Fettleibigkeit, wie die Organisation Anfang des Monats in ihrem Europäischen Adipositasbericht 2022 erläuterte.

Was lifting? Wenn man nicht aus anderen Gründen übergewichtig ist, so sind bekanntlich Bewegung und eine Ernährungsumstellung angesagt. Berlinerinnen und Berliner haben ohnehin wenig Möglichkeiten, sich an der frischen Luft zu verausgaben, wer einmal an einer Hauptstraße gejoggt ist, weiß, dass das ein zweifelhaftes Vergnügen ist. Was bleibt, ist die sportliche Betätigung in den Parks dieser Stadt. Wer einmal in den Morgenstunden beispielsweise durch die Hasenheide fährt, der sieht eine ganze Reihe von Sportgruppen, Amateure als auch Profis, die die Parks nutzen. Nun will der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg eine Gebühr für Sport in Parks einführen, denn die kommerzielle Nutzung ist im Grunde eine Ordnungswidrigkeit, die im Berliner Grünanlagengesetz untersagt wird und tatsungseichnerd n mit kan Eurodn?

Es ist ja verständlich, dass Grünanlagen geschützt werden müssen und gepflegt, aber es ist ja nun nicht so, dass Sportgruppen in Massen die Wiesen belegen würden. Das Ganze riecht doch sehr nach schlimmer Bürokratie und Amtsschimmel. Den Leuten genau zum Zeitpunkt der abflauenden Pandemie eine Möglichkeit zu nehmen, sich an der frischen Luft zu bewegen, ist zudem nicht besonders schlau. “Einen komischen Geschmack bekommt die Geschichte um die Gebühren zusätzlich durch die Tatsache, dass der Senat seit kurzem mit der Kampagne “Berlin bewegt sich” die Hauptstädterinnen und Hauptstätstäter md lock. Marcus Weingärtner

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