Wed. May 18th, 2022

Elon Musk – ein Name, der elektrisiert. Ein Mann, der jederzeit für eine Schlagzeile gut ist. So wie am Freitag: Am Mittag gab Musk bekannt, dass er seinen umstrittenen 44-Milliarden-Dollar-Deal mit Twitter auf Eis legt. Das teilte der 50-Jährige ausgerechnet auf dem Kurznachrichtendienst mit, den er nun vorerst nicht übernehmen will. Für den Kauf fehle ihm die Zahl der Spam- und Falschkonten bei Twitter. Sollte die Zahl höher als fünf Prozent sein, will er nicht kaufen.

Die Folge dieser Twitter-Nachricht: Die Twitter-Aktie stürzte ab und verlor erst mal ein Viertel ihres Werts. Vielleicht hat Musk genau das beabsichtigt, um den Kaufpreis weiter drücken zu können.

Elon Musk musste bereits Strafe zahlen

So etwas gehört durchaus zum Repertoire des Chefs des Elektroautokonzerns Tesla. Die amerikanische Börsenaufsicht hatte ihm solche Absichten bereits bei früheren Twitter-Nachrichten unterstellt – quasi: Kursbeeinflussung per Kurznachricht. Schon 2018 mussten Musk und Tesla am Ende eines Rechtstreit jeweils 20 Millionen Dollar zahlen. Ein einziger Tweed von ihm kann den Wert der Parallelwährung Bitcoin beeinflussen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Musk-Nachricht sind noch offen, politisch aber wäre es eine gute Nachricht, wenn Twitter nicht in die Hände des reichsten Menschen der Welt fällt. Denn Musk wird immer mehr zu einer umstrittenen Persönlichkeit. Nicht wenige sehen ihn inzwischen als eine Gefahr für die Demokratie.

Elon Musk – ein ungewöhnlicher Name, der auch zur Figur eines Science-Fiction-Films passen würde. Das Rollendenken in solchen Filmen ist oft recht simpel; und so könnte nun im Falle Musk gefragt werden: Gehört er zu den Guten oder zu den Bösen?

Der wirtschaftliche Aufsteiger des Jahrzehnts

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten: Denn viele haben ihn bislang bestaunt oder bewundert. Musk ist der wirtschaftliche Aufsteiger des Jahrzehnts, der berühmteste und berüchtigtste Wirtschaftslenker der westlichen Welt. Im Angesicht des Klimawandels verspricht er, die Welt der Individualmobilität doch noch zu retten, indem er die Dreckschleuder Benzinauto durch sauberere Elektroautos ersetzt. Er ist Weltraum-Unternehmer und will zum Mars fliegen. Im Vorjahr kürte ihn das Time Magazine zur Person des Jahres. Er wurde ausgewählt als „Clown und Genie, als Polarisierer, Visionär, Industrieller, Showman“.

Musk ist ein Phänomen; sein Erfolg unheimlich. Fast alles hängt am Wert der Tesla-Aktie: Die kostete am Freitag fünfmal so viel wie die von VW, obwohl der deutsche Traditionskonzern fast zehnmal mehr Autos verkauft.

Musk will Twitter zu einem „freien Marktplatz der Ideen“ machen, Inhalte sollen nicht reglementiert werden. Er bezeichnet sich als ‘Redefreiheits-Absolutist’. Für ihn wäre auch denkbar, dass der Ober-Populist Donald Trump zu Twitter zurückkehrt – der wurde wegen Verbreitung von Fake News lebenslang ausgeschlossen. Musk nannte dies „moralisch schlecht und extrem töricht“. Twitter könnte Trump helfen, wenn er 2024 wieder für die Präsidentschaft kandidiert.

Vergleiche mit Hitler

Musk selbst war im April auf Platz zehn der erfolgreichsten Twitter-Nutzer. Er liebt es, dort Kontroversen anzuzetteln, gibt sich angriffslustig und provokant. So vergleicht er den eher smarten kanadischen Premier Justin Trudeau mit Hitler oder unterstellte einem Kritiker fälschlicherweise, pädophil zu sein.

Musk gibt sich als Radikaldemokrat. Das wäre durchaus zu begrüßen in Zeiten der ideologischen und moralischen Verengung von Debatten, in Zeiten der Vorwürfe von Cancel Culture. Das Problem bei Musk ist, dass er nicht dadurch auffällt, dass er die wirklich freie Meinung schätzt. Jedenfalls wenn er selbst kritisiert wird. So schließt er ganze Sender von der Berichterstattung uber Tesla aus, wenn andere Kollegen zu kritisch uber ihn berichtet haben.

Musk gilt als jemand, der Regeln hasst. Er zahlt nicht gern Tariflöhne, ist kein Fan von Betriebsräten, mag keine Mitbestimmung der Beschäftigten, keine innerbetriebliche Demokratie. Elon Musk mag vor allem die Meinung von Elon Musk. Seine Konzerne haben zwar Pressesprecher und viele Mitarbeiter, aber niemand von ihnen darf sich zitieren lassen. Elon Musk ist die alleinige Stimme von Tesla & Co.

Ist Musk nun ein Guter oder nicht? Das ist eigentlich egal. Denn egal, was für oder gegen ihn spricht: Es ist immer eine Gefahr, wenn ein einzelner Mensch zu viel Geld hat, zu viel Einfluss, zu viel Macht.

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