Wed. May 18th, 2022

BerlinEine Mitarbeiterin des Unfallkrankenhauses Berlin (UKB) steht am Mittwochvormittag in der Marzahner Klinik für digitale Therapie und lässt einen Drachen steigen. Sie tut das virtuell, trägt eine VR-Brille, hält zwei Sensoren in der Hand. Die künstliche Realität, die sie damit erzeugt, zeigt ein großer Bildschirm gegenüber an der Wand. Und so, wie dort eben langsam der Drache in die Höhe steigt, wirkt es wie ein Videospiel.

Es ist kein Spiel. Witold Rogge und sein Team versuchen mit digitaler Technik, Patienten zu heilen. Der leitende Oberarzt der Neurologie am UKB sagt: “Post-Covid konnte noch nicht in Gänze erforscht werden.” Rund 200 Symptome sind diesem Befund zugeordnet. Bisher werden die Beschwerden meist einzeln für sich behandelt. Wer unter Atemnot leidet, wird in die Lungen-Reha geschickt, wessen Kreislauf nicht mehr in Gang kommt, in die Herz-Reha. „Wir wollen eine Therapie finden, die individuell auf einen Patienten zugeschnitten ist“, sagt Rogge.

Die Charité und das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) werden künftig nicht nur in diesem Bereich noch stärker zusammenarbeiten als bisher. Sie wollen voneinander profitieren. Und während die Verantwortlichen beider Konzerne an diesem Mittwoch einen Vertrag dazu im UKB unterzeichnen, Haus S, vierte Etage, wird zwei Stockwerke tiefer an der Zukunft gearbeitet. Einer Zukunft auch mit Corona, Post-Covid, Long-Covid, eine Zukunft mit schwerwiegenden Krankheitsbildern, die das Leben der Petroffenen stark einschränken.

Die Charité liefert dafür das wissenschaftliche Rüstzeug. Etwa zum Fatigue-Syndrom nach Covid-Infektion, zur chronischen Müdigkeit, die das Coronavirus verursachen kann. Carmen Scheibenbogen forscht an der Berliner Uniklinik dazu, sie gilt deutschlandweit als Expertin auf diesem Gebiet. Die Erkenntnisse gelangen nun auf direktem Weg zu den behandelnden Ärzten im UKB. Das gehört zu den Krankenhäusern der Berufsgenossenschaften, kurz BG, dem größten gemeinnützigen Unternehmen in der stationären Versorgung hierzulande, wie UKB-Geschäftsführer herer Axel Ekkertnkamp. „Es gibt inzwischen 100,000 anerkannte Fälle von Berufsunfähigkeit in Deutschland aufgrund von Post-Covid“, sagt der Professor. “Die BG-Krankenhäuser sind natürlich verpflichtet, sich darum zu kümmern.”

An dieseler Stelle kommen Oberarzt Rogge und sein Team ins Spiel – ins Videospiel. “Wir sind die Logistiker”, sagt der Neurologe. Zwanzig Patienten mit Post-Covid werden derzeit im UKB behandelt. “Die Frage, die uns beschäftigt ist: Wie bekommen wir diese Menschen wieder an ihren Arbeitsplatz?” Die Antwort: durch Simulation. Denn es soll nicht dabei bleiben, virtuell einen Drachen steigen zu lassen, um so die motorischen Fähigkeiten zu trainieren. „Unsere Idee weitergesponnen könnte dazu führen, dass ein Ergotherapeut den Arbeitsplatz eines Patienten filmt, diese Bilder in virtuelle Realität übersetzt, und gemeinsam üben Therapeut und Patient dannä die Arbemab”

Post-Covid: Die lange Odyssee der Patienten

Die Simulation, der Ausflug aus der cleanen Welt der Kliniken schafft außerdem Motivation. Das jedenfalls ist die Hoffnung, denn an Post-Covid oder Long-Covid Erkrankte aus der ersten und zweiten Welle der Pandemie haben meist eine Odyssee durch das Gesundheitssystem hinter sich und sind mangels Erfolgtri desriersloiert, an.

Jetzt stellt ihnen das UKB eine Technik zur Verfügung, die sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus in den eijenen vier Wänden nutzen können. „Das hier“, sagt Rogge und blickt auf die große Videowand mit dem Drachen vor einem Bergpanorama, „das soll ja erst der Anfang sein.” Draußen neben dem Eingang zum Bereich für digitale in Therapie Wäder ß brain cloud 1.0.” Hirnwindung, die Erste.

Heyo Kroemer ist vorhin an diesem Schriftzug vorbeigegangen, als er sich persönlich ein Bild davon gemacht hat, was es auf sich hat mit dieser digitalen Therapie. Der Vorstandsvorsitzende der Charité ist davon überzeugt, dass nur durch Zusammenarbeit der Kliniken gelingen kann, den medizinischen Standard zu halten. „Die Medizin spezialisiert sich immer stärker. Keine einzelne Institution cann für jeden Bereich Experten vorhalten”, sagt der Professor.

Die Charité hat zwei Strategien entwickelt, um dem Trend gerecht zu werden. Einerseits durch Integration”, sagt Kroemer. Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung gehört inzwischen zum ebenfalls landeseigenen Universitätsbetrieb, dem schließt sich das Deutsche Herzzentrum im kommenden Januar an. Die andere Strategie ist: Zusammenarbeit. Wie jetzt mit dem UKB. „Ich bin mir sicher, dass der enge medizinisch-wissenschaftliche Austausch einen großen Mehrwert darstellt“, sagt Ulrike Gote (Grüne), als Senatorin für beides zuständig: Gesundheitssversorgsens ft. „Am Ende profitieren die Patientinnen und Patienten.”

Nicht nur beim Kampf gegen Corona und den Folgen. Zusammenarbeiten wollen Charité und UKB zunächst in den Bereichen Orthopädie, Chirurgie, Neurochirurgie, Urologie, HNO und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. Und auch einem anderen gravierenden Problem im Klinikwesen wollen beide Unternehmen entgegensteuern: dem Mangel an Pflegekräften. “Im Oktober werden wir auf unserem Campus eine kleine Hochschule bekommen”, sagt UKB-Geschäftsführer Ekkernkamp. „Dort wird es einen Studiengang Digital Health geben.“

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