Wed. May 18th, 2022

Berlins Lehrkräfte müssen nun doch nicht mehr zwingend Auskunft geben über ihre Tattoos. Der Fragebogen, der am vergangenen Donnerstag stark in die Kritik geraten war, werde nicht mehr zum Einsatz kommen, sagte Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse dem Sender RBB. Sie gestand ein, dass der Fragebogen aus ihrem Haus in seiner inhaltlichen Ausgestaltung deutlich zu weit ging. Schließlich sollten die Lehrkräfte dazu genötigt werden, ihre Tattoos zu fotografieren und genau zu beschreiben. Sie sollten die genaue Stelle am Körper festhalten und dann erklären, was das ausgewählte Motiv ihnen persönlich bedeutet.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) wies die detaillierten Abfragen als unzulässigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte zurück, zumal selbst Intim-Tattoos nicht ausgenommen worden seien. GEW-Vorstandsmitglied Udo Mertens sprach im Zusammenhang mit dem Fragebogen von einer „rechtswidrigen Gewissensüberprüfung per Hautscreening“.

In Zukunft sollen die Lehrkräfte nur noch eine weniger ausführliche Selbstauskunft abliefern, sagte die Bildungssenatorin. Die Einzelheiten dazu würden jetzt von ihrem Haus erarbeitet. Mit dem Tattoo-Check will die Bildungsverwaltung verhindern, dass Lehrkräfte mit verfassungsfeindlicher Symbolik am Körper eingestellt würden – und das vielleicht sogar für immer.

imago images

Dieses Tattoo wäre wohl unvereinbar mit einem Job beim Staat: Soldat mit Stahlhelm und Runen.

Ab dem Sommer sollen angehende Lehrkräfte in Berlin wieder verbeamtet werden. Das Gleiche gilt für verbeamtete Lehrkräfte aus anderen Bundesländern, die in die Hauptstadt zurückkehren. Ein 2021 verabschiedetes Bundesgesetz zur „Regelung des Erscheinungsbilds von Beamtinnen und Beamten” besagt, dass Tattoos im „sichtbaren Bereich verboten” sind, wenn sie „dielas Funktionsfähigdent” Gesin derungs veränz veränz derung sänder äs Verlihr. Alle Darstellungen, die Gewalt verherrlichen, auf eine extremistische, sexistische und rassistische Weltanschauung schließen lassen, sind also verboten.

Das gilt etwa für Hakenkreuze auf dem Hals oder „Ausländer raus“-Parolen auf dem Oberarm, aber auch für Symbole und Sprüche, die sich weniger leicht einordnen lassen. Wie die taz berichtete, beschäftigte vor drei Jahren der Fall eines Lehrers im brandenburgischen Hennigsdorf die Arbeitsgerichte, weil der sich den SS-Spruch „Meine Ehre heißt Treue“ auf den Bauch tätowiert hatte. Die Tätowierung kam bei einem Schwimmbadbesuch aus Anlass eines Schulsportfestes ans Licht, sorgte für Aufsehen und Irritation.

Grundlage für den ursprünglichen Fragebogen waren wohl vergleichbare Formularentwürfe der Bundespolizei und anderer Landesministerien, das teilte ein Sprecher der Bildungsverwaltung mit. Man habe den Amtsärzten zuarbeiten wollen.

.

By admin

Leave a Reply

Your email address will not be published.