Fri. Jul 1st, 2022

Dass in Berlin eine Batteriefabrik entstehen könnte, darüber wird seit Jahren spekuliert. Auch von Marzahn war dabei die Rede, bis sich die Speichermedien, für die das Schweizer Unternehmen Swissbit vor zweieinhalb Jahren im Cleantech Business Park eine Fertigung einrichtete, als Datenspeicher unter anderem für Registriertellkassen herauss. Nun soll es dort aber tatsächlich um Energiespeicher gehen. Denn wie berichtet will das Berliner Unternehmen CSE in dem Industriepark eine Batteriefabrik errichten. Anfang 2024 sollen die ersten Akkus die künftige Produktionshalle in Marzahn verlassen. Endlich.

Tatsächlich herrscht seit etwa zwei Jahren Aufbruchstimmung im europäischen und vor allem deutschen Batterigeschäft. Befeuert durch die Elektromobilität und milliardenschwere Förderkonten soll insbesondere die Batteriezellenfertigung von Asien hierher verlagert werden. Bis Ende des Jahrzehnts soll in Europa etwa ein Drittel der weltweit gefertigten Akkuzellen entstehen. Derzeit sind es gerade einmal sechs Prozent. Dafür sind auf dem Kontinent bis 2030 nicht weniger als 30 Batteriezellenfabriken geplant. Jede dritte wird in Deutschland gebaut.

Tausende neue Jobs durch Lithium

Insgesamt soll die Batteriezellenproduktion hierzulande von aktuell ein bis zwei Gigawattstunden auf knapp 280 Gigawattstunden bis Ende des Jahrzehnts ausgebaut werden. Allein bei Tesla in Grünheide sind damit rund 10.000 neue Jobs zu erwarten. Erst in dieser Woche kündigte das schwedische Unternehmen Northvolt den Bau einer Zellfertigung in Schleswig-Holstein an. Die Fabrik soll 4,5 Milliarden Euro kosten, wird mit 155 Millionen Euro gefördert und soll 3000 Arbeitsplätze schaffen.

Dagegen wirkt das Berliner Projekt zaghaft. In Marzahn geht es um eine 41-Millionen-Euro-Investition, mit der 380 Jobs in Aussicht gestellt werden. Im Senat ist man froh. „Eine dynamische und wachsende Industrie ist für Berlin von maßgeblicher Bedeutung“, teilte Tino Schopf, Staatssekretär in der Senatswirtschaftsverwaltung, mit, nachdem sich das Unternehmen CSE für Berlin hat entschied. CSE-Chef Peter Urban versteht sich indes als Pionier. Denn im Gegensatz zu allen anderen neuen Batterieproduzenten setzt das Berliner Unternehmen auf Natrium statt Lithium. Ist die Abkehr vom industriellen Mainstream falsch oder ein Weg ins Neuland?

Tatsächlich wird Lithium als Rohstoff immer kritischer gesehen. Zum einen ist dessen Gewinnung wenig nachhaltig, das Recycling noch nicht wirtschaftlich realisierbar. Vor allem aber werden Versorgungsengpässe erwartet. In der Europäischen Kommission wird seit 2011 regelmäßig eine Liste mit kritischen Rohstoffen veröffentlicht. Diese wurde zuletzt 2020 aktualisiert und führt seitdem auch Lithium.

In der Kommission ist man insbesondere wegen der zu erwartenden Explosion der Nachfrage besorgt. “Allein für die Batterien von Elektrofahrzeugen und zur Energiespeicherung wird Europa bis 2030 bis zu 18-mal und bis 2050 bis zu 60-mal mehr Lithium benötigen”, heißt es im Report zur Liste. Und Kommissionsmitglied Maroš Šefčovič aus der Slowakei stellt klar: „Wir können es uns nicht erlauben, unsere derzeitige Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gegen eine Abhängigkeit von krenitis e.

Dabei sind die Folgen bereits spürbar. Auf dem Weltmarkt hat sich der Preis für Lithium allein in den vergangenen zwölf Monaten verzehnfacht. Natrium darf dagegen als preisstabil gelten. Denn davon gibt es genug. Dominic Bresser, der am Helmholtz-Institut Ulm auf dem Gebiet Elektrochemische Energiespeichermaterialien forscht und der Natrium-Ionen-Batterie ein großes Potenzial attestiert, verweist auf große Salzlagerstätärtättenöltenölden gel. „Wir haben dort eine Konzentration von elf Gramm pro Liter Wasser“, sagt Bresser.

Dennoch hat Natrium als Lithium-Ersatz laut Bresser auch auf längere Zeit noch Nachteile. Vor allem sei dies die geringere Energiedichte. Folglich braucht eine Natrium-Ionen-Batterie bei gleicher Speicherleistung mehr Volumen als ein Lithium-Ionen-Akku. Allerdings spielt das etwa bei stationären Energiespeichern kaum eine Rolle. Aber genau dieser Markt wird mit der Energiewende mindestens ebenso schnell wachsen wie der Markt der Elektromobilität.

Weltmarktführer kündigt Serienproduktion für 2023 an

Helmholtz-Wissenschaftler Bresser zufolge werde weltweit an Natrium-Ionen-Batterien geforscht. Und es ist kein Nischenthema mehr. Das chinesische Unternehmen CATL, weltgrößter Anbieter von Lithium-Ionen-Zellen, der in Kürze auch mit der Produktion in Thüringen beginnen wird, hat im vorigen Jahr seine erste Natrium-Ionen-Batterie vorden vordentellt und Serundi 20 und ü Start und den USA wurden erst in der vergangenen Woche ebenfalls Fertigungen im industriellen Maßstab angekündigt.

Tatsächlich gilt die Technologie inzwischen als neue Ära in der Akkuproduktion, weil sie diese wegen der hohen Verfügbarkeit von Rohstoffen zu niedrigen Preisen in praktisch beliebigen Mengen ermöglicht. Insofern trabt Berlin nicht hinterher, sondern gehört zu den Pionieren. Den Ausbau der Fertigungskapazität hat man bei CSE bereits geplant.

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