Fri. Jul 1st, 2022

Die ersten Mieter sonnen sich schon auf dem Balkon ihrer neuen Wohnung, hundert Meter weiter hebt ein Bagger währenddessen eine Baugrube für weitere Wohnhäuser aus. Beim Bauprojekt Friedenauer Höhe in Friedenau wurde am Montag Baustellenfest gefeiert. Bis zum Jahr 2026 entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf ein neues Stadtquartier mit rund 1350 Wohnungen. Dazu gehören 238 geförderte Wohnungen, die von der landesegenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge vermietet werden. Diese Wohnungen sind bereits fertig.

„Die Friedenauer Höhe zeigt eindrucksvoll, wie die gemischte Stadt aussehen kann“, sagte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) am Montag. Denn neben den Wohnungen entstehen hier 85 Kitaplätze und 102 Grundschulplätze sowie Grün- und Spielflächen. Das Viertel werde damit zur „Stadt der kurzen Wege: mit Wohnen, Leben und Arbeiten im Quartier“, so Geisel.

Friedenauer Höhe haben die Investoren das Wohnquartier getauft, weil die Baufläche etwas erhöht liegt. Während sich die meisten der beliebten Friedenauer Altbauten an ruhigen Wohnstraßen befinden, wächst das neue Viertel direkt neben dem S-Bahn-Ring und der Stadtautobahn empor.

Die Herausforderung beim Bau besteht deswegen darin, die künftigen Bewohner vor dem Lärm von S-Bahn-Zügen und Autos zu schützen. So sieht die städtebauliche Gestaltung den Bau eines lang gestreckten Gebäuderiegels parallel zur S-Bahn und zur Stadtautobahn vor, wodurch die dahinter liegenden Wohnhäuser vor Lärm geschützt werden. Auf dem Dach der riegelartigen Bebauung wird sogar noch eine Lärmschutzwand errichtet. Nebenräume wie Küchen und Bäder werden zur Lärmseite angeordnet werden, Wohn- und Schlafräume hingegen zur lärmabgewandten Seite.

Joint Venture treibt Projekt voran

1064 Wohnungen werden von der OFB Projektentwicklung GmbH (OFB) und der Instone Real Estate (Instone) in einem Joint Venture gebaut. Im nördlichen Bereich des Areals, also auf der Seite zur S-Bahn, wurde bereits im Herbst 2021 der Grundstein für 537 Mietwohnungen gelegt, die in Verantwortung der OFB entstehen. Die Wohnungen im südlichen Bereich werden unter der Regie von Instone errichtet – hierzu gehören rund 400 Mietwohnungen und 131 Eigentumswohnungen.

Das Preisspektrum für die Eigentumswohnungen fange bei 7500 Euro pro Quadratmeter an und gehe bis zu zirka 13.000 Euro pro Quadratmeter, sagte Carsten Sellschopf von Instone. Zu welchem ​​Preis die frei finanzierten Mietwohnungen angeboten werden, war beim Baustellenfest nicht zu erfahren. Dies dürfte von den künftigen Eigentümern abhängen. Die 396 Mietwohnungen, die Instone errichtet, werden später von der DWS, dem Vermögensverwalter der Deutschen Bank, für den offenen Immobilien-Fonds ‘Grundbesitz Fokus Deutschland’ und einen weiteren Immobiliengerfundü ellebernom institution Die Mietwohnungen, die die OFB baut, gehen an die Quantum Immobilien KVG als Eigentümervertretung. Weitere 52 Wohnungen werden von der OFB außerhalb des Joint Ventures geplant.

Stadtentwicklungssenator Geisel sagte, er werde oft gefragt, ob es in Berlin denn ausreichend Grundstücke für den geplanten Bau von 200,000 Wohnungen in zehn Jahren gebe. Die Antwort sei Ja. Das seien allerdings nicht immer die üblichen Baugrundstücke, manchmal müssten sie erst „fit gemacht“ werden. Das brauche manchmal Zeit. Der städtebauliche Vertrag für die Friedenauer Höhe sei schon 2016 geschlossen worden. Aber jetzt sei es so weit, dass das Vorhaben „in die Realisierung“ komme.

Senator sieht wachsenden Bedarf an Wohnungen

Die Kooperation, die es an dieser Stelle mit der Howoge gebe, zeige, dass es „um bezahlbares Wohnen geht“, sagte Geisel. An bezahlbaren Wohnungen gebe es Nachholbedarf. Was Berlin nicht brauche, sei im Gebiet rund um die Friedrichswerdersche Kirche in Mitte zu beobachten. Da sei es „abends ziemlich dunkel“, weil da „nur wenige wohnen“, so Geisel. Dies seien reine Kapitalanlagen. “Solche Gebäude sind am Bedarf der Berlinerinnen und Berliner vorbei gebaut.” Die Howoge vermietet die 238 Wohnungen zu Einstiegsmieten von sechs bis acht Euro je Quadratmeter (kalt).

Der Stadtentwicklungssenator wies zugleich darauf hin, dass er mit einem wachsenden Bedarf an Wohnungen rechne. Im Februar und März dieses Jahres habe es noch eine Diskussion darüber gegeben, ob Berlin weiter wachsen werde. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine sei „diese Frage im Laufe des März/April schneller beantwortet gewesen, als wir uns das gedacht haben“, so Geisel. Inzwischen seien etwa 100.000 Menschen aus der Ukraine in der Stadt, 54.000 von ihnen hätten einen Antrag auf einen dauerhaften Aufenthalt gestellt. Diese Menschen würden über längere Zeit, mindestens einige Jahre, in Berlin bleiben. Damit bleibe der Druck auf den Wohnungsmarkt bestehen. Um die Situation in den Griff zu bekommen, seien ein starker Mieterschutz sowie der Bau bezahlbarer Wohnungen nötig.

Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg kommt die Planung für die Friedenauer Höhe an. Bertram von Boxberg von der Fraktion der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung bezeichnet das Vorhaben als ‘wichtiges Projekt’. Das künftige Quartier sei öffentlich zugänglich, nicht abgeschottet. „Entscheidend ist, es wird nicht lauter, es wird leiser“, sagt er – durch die Abschottung zur Autobahn und zur S-Bahn. Von Mieterseite wird der Lärmschutz von außen gelobt. Die Seite zur S-Bahn und zur Stadtautobahn sei „total lärmgeschützt“ sagt ein Bewohner. Nur seine Wohnung selbst sei „ein bisschen hellhörig“.

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