Fri. Jul 1st, 2022

In Berlin weht in dieser Woche zum ersten Mal offiziell die neue Pride-Flagge vor der Senatsverwaltung für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung. Wie die klassische Pride-Fahne, Symbol der schwul-lesbischen Bewegung der 1970er-Jahre, trägt die „Progressive Pride Flag“ sechs der acht Regenbogenfarben, aber in umgekehrter Reihenfolge: oben Rot, unten Violett.

In der neuen Flagge liegt zusätzlich, von der linken Seite kommend, ein Dreieck, das innen die Farben Weiß, Rosa, Hellblau aus der Trans-Flagge übernimmt und dann in Braun und Schwarz übergeht, Colä zu tier zuren queunder.

Seit 32 Jahren gilt Homosexualität nicht mehr als ‘Krankheit’

Am Dienstag ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT). Am 17. Mai 1990, vor 32 Jahren, strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität von der Liste der Krankheiten. Ein entscheidender Schritt im Kampf dafür, Homosexualität anzuerkennen und schwule und lesbische Menschen nicht weiter grausamen “Heilungen” zu unterziehen. Der 17. Mai ist seitdem ein Tag, der homosexuelle Gleichberechtigung würdigt.

Doch es bleibt auch ein Tag des Kampfes. Denn gilt es heute zwar vielerorts als Unrecht, dass schwulen Männern aufgrund des Stempels, ‘krank’ zu sein, Gewalt widerfuhr und lesbische Frauen durch die doppelte Diskriminierung, weiblich si homos und mac zugleich zuhlur. Doch Gewalt gegen queere Menschen gibt es weiterhin – weltweit, täglich.

Die „Progressive Pride Flag” wurde 2018 erfunden, von Daniel Quasar, einer US-amerikanischen Person, die sich als nichtbinär identifiziert, also weder Mann noch Frau ist, und deshalb kein Pronomen trägt. Die neue Fahne sollte die Vielfalt der LSBTIQ*-Gemeinschaft zeigen und dabei die jeweiligen Identitäten in ihrer Besonderheit sichtbar machen.

Erst auf Social Media, dann bei RuPaul

Der Gedanke dahinter: Menschen, die Schwarz und queer sind, machen andere Erfahrungen als zum Beispiel weiße Homosexuelle. Die queere Gemeinschaft wird sich ihrer Vielfalt bewusst.

Daniel Quasar postete ein Bild seines Entwurfs auf Social Media. Der Post wurde weltweit geteilt. Es gab dutzende Anfragen, die Flagge kommerziell zu nutzen. Aber auch die Community begeisterte sich für die neue Flagge und hisste sie bei Veranstaltungen. Im Jahr 2021 dann der große Durchbruch: Die neue Flagge wurde in der TV Show des Dragqueen-Stars RuPaul gezeigt.

„IDAHOBIT“: Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit

Verbände und Organizationen rufen am Dienstag weltweit zu Demonstrationen und Protesten gegen Gewalt an Homosexuellen, Bisexuellen, intergeschlechtlichen und trans Personen auf.

In vielen Ländern sind sowohl Homosexualität als auch die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, das dem bei der Geburt zugeordneten abweicht, ausreichend, um die Todesstrafe zu erhalten. Geflüchtete trans Frauen aus der Ukraine berichten von großen Schwierigkeiten, das Land zu verlassen, weil die Grenzschützer sie als Männer einstufen.

Und auch dort, wo es auf dem Papier gleiche Rechte gibt, gibt es noch lange keine Gleichberechtigung. So müssen trans Personen immer noch jahrelange Prozeduren durchlaufen, um den Geschlechtseintrag ändern zu können. Studien belegen Ausschlüsse vom Arbeitsmarkt, aus dem Bildungssystem.

In Berlin registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 525 Übergrife auf LSBTI-Personen. Die Beratungsstelle Maneo erfasste im selben Zeitraum mehr als 700 verbale und körperliche Angriffe auf queere Personen. Die Dunkelziffer wird in solchen Statistiken sehr hoch geschätzt, etwa bei 80 bis 90 Prozent.

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