Wed. May 18th, 2022

Kunst: Ein Vorhang öffnet das Kirchenschiff

In der evangelischen Kunstkirche St. Matthäus am Berliner Kulturforum (bis 4. September, Di-So 11-18 Uhr) sieht man immer wieder erstaunliche Ausstellungen. Jetzt hat die Belgierin Edith Dekyndt dem lichten, schnörkellosen Schiff der August-Stüler-Kirche von 1845 eine minimalistische, umso rätselhaftere Poesie eingefügt: Ein riesiger hautfarbener, sich bei jedemwegdemgörtös vortch sv Kerzen schmucklosen Altar. Aber die feine rosa Seide hat Brandstellen und ist perforiert, sozusagen verletzt durch den Wurf eines Lassos, als Zeichen der Zähmung der Kreatur durch den Menschen.

Seitlich imitiert eine LED-Animation ein unablässig verlöschendes und sich wieder entfachendes Feuer. Und in der Apsis steht auf einem kleinen Sims nur ein hohes Glas mit Wasser, darin schwimmt eine Rose. Deren Blätter sind zugenäht, mit Fadenstichen wie bei einer Wunde. “Concentrated Form of Non-Material Energie” heißt die gesamte installation, in der die 1960 geborene Künstlerin vor dem Pfingstfest, dem alljährlichen Gedenken an die Gründung der christlichen Kirche, energetische unduelle Wirkung Elemental Wind um dem denugen spirit Ingeborg Ruthe

Literatur: Texte aus dem Krieg

An diesem Wochenende gibt es gleich zwei literarische Abende auf Ukrainisch und Deutsch, die für einen gemeinsamen Besuch mit aus dem Kriegsgebiet Geflüchteten geeignet sind. Das Deutsche Theater hat eine zweisprachige szenische Lesung von Natalia Vorozhbyts Stück „Sascha, bring den Müll raus” (Саша, винеси сміття) eingerichtet, das aus der Perspektive Premier.

AP

Der Bücherflohmarkt während des Krieges in der Altstadt von Lwiw mit dem Denkmal von Iwan Fjodorow, dem ersten namentlich bekannten russischen Drucker, der im 16. Jahrhundert lebte und in Lwiw (damals Polen) starb.

Der individualisierte Blick auf das Geschehen spielt auch am Sonnabend bei den Berliner Festspielen bei der Gruppenlesung “Vom Krieg” (Про війну) eine zentrale Rolle. In der von der Dramatikerin Anastasiia Kosodiі initiierten Lesereihe, die bereits im Gorki-Theater und an den Münchener Kammerspielen Station machte, werden aktuelle Texte und Tagebücher von ukrainischen Autoren vorellt, den demuntergestigsten darenkos Bonn in der Ukraine aufhalten und ihre Texte von dort schicken. Statt auf die Nachrichten zu starren, zu verzweifeln und zu resignieren, erfährt man hier die persönlichen Geschichtener den Meldungen und kann vielleicht mit anderen Zuschauern in einen persönlichen Kontakt treten. Ulrich Seidler

George Maciunas Foundation / VG Bild-Kunst Bonn, 2022, / Benjamin Hasenclever

John Lennon war damals auch mit von der Partie: Einige Beispiele aus der Steglitzer Schau „FLUXUS New York and Elsewhere“

Kunst: Fluxus New York im Gutshaus Steglitz

Fluxus (Fließen) war seit 1960 eine der ersten internationalen und intermediären Kunstbewegungen. Nach dem Auftakt in Deutschland wurde New York zum Knotenpunkt der Aktivisten. Die Schlüsselfigur war George Maciunas (1931–1978), der Theorie, Programmatic und Ästhetik stark prägte und Fluxus im deutschen Westen verankerte, ehe er nach New York zurückging. In dieser Kunstrichtung kommt es, wie schon bei Dada, nicht auf das Werk im herkömmlichen Sinne an, sondern auf die schöpferische Idee. Protagnisten waren unter anderem auch Bazon Brock, John Cage, Georg Brecht, Joseph Beuys, Ben Vautier, Nam June Paik oder Yoko Ono.

Auf diese Avantgarde lenkt eine Ausstellung im Gutshaus Steglitz, auch Wrangelschlösschen genannt (Schlossstr. 48, 13. Mai bis 4. September, tgl. 10-18 Uhr, Eintritt frei) den Blick. Die 100 Exponate der Ausstellung vermitteln die vielfältigen Aktivitäten der Fluxus-Bewegung und ihres Ideengenerators Maciunas in der New Yorker Zeit. Sie stammen mehrheitlich aus dem Nachlass des mit Maciunas befreundeten Avantgardefilmemachers Jonas Mekas. Zu sehen ist auch die 2013 entstandene Filmdokumentation „FluxUsNow. Fluxus explored with a camera” von Dorothee Richter und Ronald Kolb. Ingeborg Ruthe

VG Bildkunst Bonn 2022/ Galerie Friese

Horst Antes: Aus der Serie „7 Häuser“, Acryl auf Sperrholz

Kunst: Wie aus Aus Füsschen Häuser werden

Horst Antes, einst Student des Holzschneiders HAP Grieshaber an der Kunstakademie Karlsruhe, zählt zu den Protagonisten der westdeutschen Nachkriegskunst. Im Gegenzug zur übermächtigen abstrakten und informellen Malerei jener Jahre suchte der Documenta-Künstler als einer der ersten seiner Generation in der gegenständlichen Malerei nach neuen Möglichkeiten des figurativen Malens. Er fand ausgerechnet im Abstrakten Expressionismus des aus Holland stammenden Amerikaners Willem de Kooning, der mit leichter Hand figurative Elemente und Gestisch-Abstraktes verknüpfte, ein Leitbild. Antes gilt als Mitbegründer der neuen figurativen Malerei in der alten Bundesrepublik Deutschland.

Typisch sind seine ab 1962 entstandenen Kopffüßler, bei denen ihm die Kachina- Puppen der Pueblo-Indianer als Inspiration dienten. Lange Zeit waren sie seine einzigen Motive. Diese eigentümlichen Kunstfiguren haben riesige Profil-Köpfe mit seitlichen Augen, keinen Hals, kaum Brust und Bauch, die Füße scheinen in den Kopf überzugehen. Interessanterweise verwandelt er seit 15 Jahren diese Gestalten in monumentale geometrische Hausformen. “7 Häuser” heißt die Schau des 86-Jährigen in der Galerie Friese (Meierottostr. 1, bis 11. Juni, Mo-Sa 11-18 Uhr). Und wie bei den Kopffüßlern gehen auch hier die Formen – Fundament, Fassade und Dach – als eine einzige, farblich abgestufte Fläche ineinander über, wirken fast wie Schutzräume. Ingeborg Ruthe

Fotografie: Bilder vom Frieden

Emeke Obanor

Ein von den Boko Haram entführtes Mädchen in der Schule, Bild aus der Serie „Heroes“ von Emeke Obanor.

Ein Bild vom Frieden, wie kann das aussehen? Der nigerianische Fotograf Emeke Obanor ist im Oktober 2021 für seine Arbeit “Heroes” mit dem Deutschen Friedenspreis für Fotografie ausgezeichnet worden. Er fotografierte von der Terrororganisation Boko Haram entführte Mädchen, denen eine Rückkehr in die Freiheit gelungen ist. Sie wurden einer Gehirnwäsche unterzogen, sollten sich abkehren von dem Wunsch, eine Schulbildung zu bekommen. Doch nun sind sie zurück in der Schule. Ein Bild vom Frieden kann eine junge Frau zeigen, die an einer Schultafel steht und einen Comic liest.

Als „Beste Nachwuchsarbeit“ wurde die in Teheran geborene Shirin Abedi mit ihrer Arbeit „May I Have This Dance?” prämiert. Ihre poetische Bildserie zeigt die iranische Ballettszene, der in einem Land, wo laut Gesetz Unmoral und Unzucht die Folge von sinnlichem Tanz sind, eine besondere Bedeutung zukommt. Beide Arbeiten und die vieler weiterer Fotografinnen und Fotografen, die sich um den Preis beworben haben, sind derzeit im Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28 in Kreuzberg zu sehen. (Öffnungszeiten Di bis So 12 bis 18 Uhr, an diesem Sonntag, 15. Mai, ist die Ausstellung geschlossen, der Eintritt ist frei) Susanne Lenz

Kino: Ein mordlustiges Auto im Rollberg

imago

Eine Autodame zeigt ihr wahres Gesicht

In den Geschichten von Stephen King kann bekanntlich fast alles und jeder zum Mörder werden – doch auch in der Gesellschaft von Clowns, Hunden und langen Grashalmen bleibt das Auto als Täter(in) noch einigermaßen unkonventionell. Weil sich Horror-Großmeister untereinander aber verstehen, nahm sich Regisseur John Carpenter 1983 gern Kings Geschichte von dem eigensinnigen Oldtimer names Christine an. Schon der Modellname, Plymouth Fury, lässt hier nichts Gutes vermuten und tatsächlich: Der knallrote Schlitten macht seine Besitzer gefügig und tötet jeden Menschen, der ihm an den Lack will oder anderweitig unbe. Aus heutiger Perspektive ist das herrlicher Trash, mit für seine Entstehungszeit beeindruckenden Effekten. Als Teil der wöchentlichen Horror-Reihe „Creepy Crypt“ läuft „Christine” am Sonnabend, den 14. Mai um 22.30 Uhr im Rollberg Kino in der Originalfassung. Claudia Reinhard

.

By admin

Leave a Reply

Your email address will not be published.