Wed. May 18th, 2022

Berlin-MarzahnRomy Lausecker erinnert sich noch genau an den Moment, in dem sie in ihrem Körper zum ersten Mal das spürte, was sie „das Geschehen“ nnnt. ‘Mir war schwindelig wie noch nie’, sagt die inzwischen 34 Jahre alte Frau. Es war März 2020, sie wusste von Corona und dass es gefährlich war. Sie rief sofort beim Gesundheitsamt an. Ein Amtsmitarbeiter kam zu ihr nach Hause, er trug Sicherheitskleidung, er nahm den Rachenabstrich. 48 Stunden später das Ergebnis: „positiv“.

Zwei Jahre später kann jeder Romy Lausecker ansehen, was sie durchgemacht hat. Sie lacht nämlich kaum. Ihr Blick ist entschlossen, manchmal fast wütend. Sie sagt, sie könnte kaum ihr Leben bewältigen. Romy Lausecker ist aber rein statistisch betrachtet der Normalfall. Laut Robert-Koch-Institut gehört sie zu den durchschnittlichen Corona-Patientinnen. So sei in vielen Studien beobachtet worden, „dass Mädchen und Frauen im mittleren Alter häufiger von Long-Covid/Post-Covid betroffen sind als Jungen und Männer mittlerer Altersgruppen“.

Romy Lausecker war eine der ersten Deutschen, die sich mit dem am Coronavirus infizierten. Bis heute kämpft sie gegen die Spätfolgen des Virus. Vor einem Jahr schon hatte sie die Idee für eine Selbsthilfegruppe und warb in Marzahn-Hellersdorf um Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Aber lange Zeit meldete sich niemand.

Das änderte sich 2022. “Das Syndrom ist in der Gesellschaft bekannter und akzeptierter”, sagt sie, jetzt beginne es zu funktionieren. “Erst waren wir drei, jetzt schon sechs.” Wöchentlich treffen sie sich, tauschen Adressen von Ärzten aus, geben einander wertvolle Genesungstipps. Jedes der 60 Minuten lange Treffen fühlt sich für Romy Lausecker wie ein Sieg an. „Endlich bin ich nicht mehr allein mit meinen durch Corona ausgelösten Problemen.” Noch am Tag danach fühle sie sich oft leichter.

Sie nimmt weiterhin Medikamente gegen die Spätfolgen der Corona-Erkrankung. Bei ihr sind das Herzbeschwerden, Lähmungen im Gesicht, Atemschwierigkeiten, Erschöpfung, Depressionen und Gedächtnisstörungen. Zudem wurde sie nach monatelanger Arbeitsunfähigkeit arbeitslos, muss zurzeit mit ihrer vierköpfigen Familie von Hartz IV leben.

“Die meisten Ärzte haben mir nicht zugehört”

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass rund zehn Prozent aller an Covid-19 Erkrankten unter Langzeitfolgen leiden. Das angesehene medizinische Fachmagazin The Lancet aus Großbritannien veröffentlichte eine Studie mit 2000 Personen, nach der mehr als zwei Drittel im Krankenhaus Behandelten auch nach einem Jahr noch erhebliche Beeinträchtigungen.

Was Romy Lausecker geholfen hat, war nicht die Medizin. “Die meisten der Ärzte haben mir nicht zugehört.” Sie habe Fachärzte getroffen, die ihre Beschwerden nicht ernst nahmen, oder diese sogar ins Lächerliche gezogen haben. “Sie fühlten sich nicht zuständig, lehnten Untersuchungen ab.” Post-Covid war eben lange kein Thema.

Geholfen hat Romy Lausecker die eigene Zähigkeit. “Und meine Kinder”, sagt die Alleinerziehende. Die beiden aufgeweckten Töchter (16 und 13 Jahre) und der fröhliche 14-jährige Sohn haben immer zur Mama gehalten. ‘Anfangs zögerlicher’, erinnert sie sich, ‘bald hundertprozentig.’

Romy Lausecker hat sich durchgebissen. Die Kraft und das Durchhaltevermögen zieht sie aus ihrem Hobby. Seit vielen Jahren betreibt sie asiatischen Kampfsport. Durch den Beruf als Pflegehelferin im Seniorenheim litt sie unter Depressionen, Teil der Therapie war damals sportliche Betätigung.

Bei der Bewältigung der chronischen Post-Covid-Erkrankung jetzt waren die dabei erlernten Techniken wie Meditation und Konzentration nützlich. “Es ist verrückt, aber ich bin fast dankbar, dass ich schon vor Corona einmal schwer krank war.” Durch diese Erfahrung bewältige sie die gegenwärtige Herasforderung besser.


Leiden Sie auch unter Post-Covid? Melden Sie sich gern bei selbsthilfe@wuhletal.de. Wenn Sie diesen Text kommentieren möchten oder sich bei unser Redaktion sonst melden möchten: Schreiben Sie an briefe@berliner-zeitung.de.

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